Montag, 7. Mai 2012



Thomas sucht in Paris die große Liebe

Patrice Leconte entführt den Leser in eine federleichte Poesie

Es ist eine unglaublich zärtliche Erzählung
über die Liebe aus Frankreich. Patrice Leconte
mit dem schelmischen Blick hinter runden
Brillengläsern ist ein bekannter Regisseur und
Drehbuchautor (Der Mann der Friseuse, Ridicule -
Von der Lächerlichkeit des Scheins) aus Paris.
Mit "Heute wegen Glück geschlossen" wagt er einen
ersten Schritt als Roman-Autor. Mit Erfolg. In
Frankreich wurde dieser Roman bereits hochgelobt.
Leconte erzählt die fein gesponnene Liebesgeschichte
aus der Sicht des jungen Thomas, Tomate genannt.
Tomate deshalb, weil er immer rot wird. Mit 27 Jahren
arbeitet er inmitten von Frauen in einer Papeterie
namens "Stylo dé Venus" in Paris. Zuhause gibt es
jeden Sonntag Erdbeerkuchen als Dessert. Thomas
ist ein vergeistigter, versponnener Philosoph mit
Idealen. Er möchte bis 30 verheiratet sein und zwar
mit einer kurzhaarigen Frau, die keine Kaugummis kaut,
weil das dumm aussieht. Auch eine Wahrsagerin bemüht
er, als sich die Suche in die Länge zieht. Dann trifft
er urplötzlich auf Colette, eine wunderhübsche
17jährige, der er Komplimente macht und sie wieder aus
den Augen verliert. Aber nicht aus dem Sinn. Leconte
beschreibt ein hinreißendes, französisches Flair wie
einen Tanz von Schmetterlingen in einer lauen Sommernacht.
Poetisch wandelt er als Thomas auf den Spuren einer nie
gekannten Liebe, deren Ideale, Hoffnungen und Träume.
Behutsam trägt er den jungen Thomas durch die Zeit,
die endlos zu sein scheint und den Leser an die eigene
Jugend erinnert, als die erste Liebe noch etwas ganz
Besonderes war. Es ist auch ein Roman um die Geduld.
Ein Schmuckstück an literarischer Leichtigkeit mit
doch viel Tiefsinn über das Schönste, was es auf der
Welt gibt: die Liebe.
(c) Corinna S. Heyn


Patrice Leconte,
Heute wegen Glück geschlossen.
Aus dem Französischen von Marie Schmetz.
Lübbe Ehrenwirth 2011.
Gebunden
Preis: 10 Euro
www.luebbe.de

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